Fuelled by wind and a learned addiction to stress.
1 July 2026 · Îles des Glénan to Menorca
Treibstoff Stress
Angetrieben von Wind und einer erlernten Sucht nach Stress.
1. Juli 2026 · Îles des Glénan bis Menorca
The original. It also exists in German.
Dies ist eine Übersetzung. Geschrieben wurde der Text im Englischen, und das bleibt das Original.
It was perfect, a superb setting. This was not like the Caribbean; no, this was better. On our own keel, we had sailed to Îles des Glénan, my big toe testing pristine waters and my feet walking magnificent beaches. Rocinante, our floating home, was just anchored 200m off this dream of a beach.
While I was taking in this surreal scenery and sipping an ice-cold beer, my body couldn't enjoy it. I would have liked to reach for my phone — which luckily enough, I'd kept on the boat — longing for another short kick of endorphin and attention. My feet had been growing itchy, and sitting still — even on this dreamlike beach — became a challenge.
This feeling would come to revisit me regularly in the months that followed, and it was only more than a year later that it dawned on me.
When you are travelling outside your comfort level, your feral instincts awaken, subconsciously scanning the environment for threats. You need to find shelter for the night, keep an eye on the weather, find a water source and stock up on food regularly. If done extensively, this is enough for a full-time job. As a skipper, this mental load and the end-responsibility always lie with you.
Most days this is not as dramatic as it sounds, and is part of the fun of skippering your own floating home from Northern Europe deep into the Mediterranean. However, coming from a life which is built on other's urgent and important problems — because let's face it, this is what overpaid consultants do — it is easy to take that responsibility too seriously and overcare.
After yet another beautiful and dreamlike beach on the wild island of Menorca, I came to realise what was truly going on. The passage was going to take 26 hours back to mainland Spain. The night was clear and, thanks to a beautiful but short-lived new moon, I could gaze at the stars and the Milky Way, so bright and clear, as no one on land would ever be able to. In all directions, at least 100km separated us from land, so no light pollution was stealing this moment from me.
On day 2 after this magical night spent in solitude, I was yet again with my feet steadfast on land and about to step into my "day-2-blues". The one which struck me first on the beaches of Îles des Glénan, more than a year earlier. Not willing to accept this micro-depression, I started to dissect it, talk to Lisa, and research my symptoms.
My conclusion was striking but simple, deeply engrained and reinforced by work and habit: my body had grown so addicted to stress, that stress mimicked the fuel I am running on. Whenever my nervous system started to relax, it was looking for a new problem to solve, a challenge to jump on. And what could make such a system even more jumpy, the moment it starts to run out of new "stress fuel", e.g. when sitting on a pristine dreamlike beach.
The downside is that it takes moments of relaxation away, making me long for more stress to keep me fuelled up and running. Even if it is only fuelled by checking your phone, instead of being in the moment with the people who are physically present.
This vicious cycle started to break me. At first in small portions at the beginning of the trip, and then more so towards the end of the first season.
On the water, what kept us together was our grand plan of going to the Med and the fact that there is pretty much only one way to do so. What weighed heavier was season two. While I got better at being in the moment, there were endless choices to make of where to go and what to see or to do. This daily decision rhythm, paired with my own expectation of how grand and far-sailing a skipper should be, made me ultimately even think of selling the boat — and even worse, speaking it out loud — and stopping our travels altogether.
Yet here I am writing these lines to remind me of my insight, but also to stop me from taking on too many problems and boat projects, and rather enjoy this dreamlike trip with all its pristine beaches and moments, while it lasts.
Yours, Dré
Es war perfekt, eine großartige Kulisse. Das hier war nicht wie die Karibik, nein, das hier war besser. Auf dem eigenen Kiel waren wir zu den Îles des Glénan gesegelt, mein großer Zeh prüfte glasklares Wasser, meine Füße liefen über herrliche Strände. Rocinante, unser schwimmendes Zuhause, lag keine 200 Meter vor diesem Traum von einem Strand vor Anker.
Während ich diese surreale Szenerie in mich aufnahm und ein eiskaltes Bier trank, konnte mein Körper sie nicht genießen. Am liebsten hätte ich zum Handy gegriffen, das zum Glück an Bord geblieben war, auf der Suche nach dem nächsten kurzen Kick aus Endorphin und Aufmerksamkeit. Meine Füße wurden unruhig, und Stillsitzen wurde selbst an diesem traumhaften Strand zur Herausforderung.
Dieses Gefühl sollte mich in den Monaten danach regelmäßig wieder einholen, und erst über ein Jahr später ging mir auf, was dahintersteckte.
Wer jenseits der eigenen Komfortzone unterwegs ist, bei dem erwachen die alten Instinkte, und unterbewusst tastet man die Umgebung nach Gefahren ab. Man braucht einen Platz für die Nacht, behält das Wetter im Auge, sucht Wasser und füllt regelmäßig die Vorräte auf. Wer das gründlich betreibt, hat damit einen Vollzeitjob. Als Skipper liegen diese mentale Last und die Endverantwortung immer bei einem selbst.
An den meisten Tagen ist das weniger dramatisch, als es klingt, und gehört zum Reiz, sein eigenes schwimmendes Zuhause von Nordeuropa bis tief ins Mittelmeer zu führen. Wer allerdings aus einem Leben kommt, das auf den dringenden und wichtigen Problemen anderer gebaut ist, denn seien wir ehrlich, genau das tun überbezahlte Berater, der nimmt diese Verantwortung schnell zu ernst und sorgt sich zu viel.
Nach einem weiteren wunderschönen, traumhaften Strand auf der wilden Insel Menorca wurde mir klar, was wirklich vor sich ging. Der Schlag zurück aufs spanische Festland würde 26 Stunden dauern. Die Nacht war klar, und dank eines schönen, aber kurzlebigen Neumonds lagen Sterne und Milchstraße so hell und deutlich über uns, wie es an Land niemandem vergönnt ist. In alle Richtungen trennten uns mindestens 100 Kilometer vom Land, und keine Lichtverschmutzung stahl mir diesen Moment.
Am zweiten Tag nach dieser magischen Nacht in der Einsamkeit stand ich wieder mit beiden Füßen an Land und war kurz davor, in meinen „Tag-zwei-Blues“ zu rutschen. Denselben, der mich gut ein Jahr zuvor an den Stränden der Îles des Glénan zum ersten Mal erwischt hatte. Ich wollte diese kleine Depression nicht hinnehmen, also fing ich an, sie zu zerlegen, mit Lisa zu reden und meinen Symptomen nachzugehen.
Mein Ergebnis war verblüffend und zugleich simpel, tief eingeschliffen und von Arbeit und Gewohnheit immer weiter verstärkt: Mein Körper war so süchtig nach Stress geworden, dass Stress den Treibstoff ersetzte, mit dem ich laufe. Sobald mein Nervensystem zur Ruhe kam, suchte es nach einem neuen Problem, nach der nächsten Herausforderung, auf die es sich stürzen konnte. Und nichts macht so ein System unruhiger als der Moment, in dem ihm der neue „Stresstreibstoff“ ausgeht, etwa wenn man an einem unberührten Traumstrand sitzt.
Der Preis dafür ist, dass mir genau die Momente der Ruhe abhandenkommen und ich mich nach mehr Stress sehne, nur um weiterzulaufen. Und sei es der Stress, aufs Handy zu schauen, statt bei den Menschen zu sein, die gerade wirklich da sind.
Dieser Kreislauf begann mich zu zermürben. Zu Beginn der Reise in kleinen Dosen, gegen Ende der ersten Saison dann deutlicher.
Auf dem Wasser hielt uns der große Plan zusammen, ins Mittelmeer zu kommen, und die Tatsache, dass es dafür im Grunde nur einen Weg gibt. Schwerer wog die zweite Saison. Ich wurde zwar besser darin, im Moment zu sein, doch es gab endlos viel zu entscheiden: wohin, was sehen, was tun. Dieser tägliche Entscheidungsrhythmus, gepaart mit meinem eigenen Anspruch, wie groß und wie weit ein Skipper zu segeln habe, brachte mich am Ende sogar dazu, über den Verkauf des Bootes nachzudenken, es schlimmer noch laut auszusprechen und unsere Reisen ganz zu beenden.
Und doch sitze ich hier und schreibe diese Zeilen, um mich an meine Erkenntnis zu erinnern, aber auch, um mich davon abzuhalten, mir zu viele Probleme und Bootsprojekte aufzuladen, und stattdessen diese traumhafte Reise mit all ihren unberührten Stränden und Momenten zu genießen, solange sie dauert.